„Genderkompetenz ist Teil von Führungskompetenz“

Die Frauenkonferenz des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK diskutierte in Bern die Veränderung von der Frauenarbeit zur Genderstrategie.

„Frauenanliegen, insbesondere wenn sie als feministisch deklariert werden, haben in den letzten Jahren an Aktzeptanz verloren.“ Mit dieser Feststellung leitete Sabine Scheuter die Frauenkonferenz des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK ein. Unter dem Thema „Von Frauenarbeit zu Genderstrategie: Was gewinnen, was verlieren wir?“ versammelten sich am 29. März in Bern über achtzig Delegierte und Gäste aus den SEK-Mitgliedkirchen und Organisationen.

Die Gleichstellung habe „nur in den Bereichen Bildung und politische Beteiligung“ Fortschritte gemacht, so Stella Jegher, Geschäftsleitungsmitglied von Amnesty International Schweiz, in ihrem Referat. Defizite beständen vor allem in Bezug auf die Rechte auf sexuelle Selbstbestimmung, in der Verteilung von unbezahlter Arbeit und in der wirtschaftlichen Unabhängigkeit.

Damit feministische Politik Erfolg haben könne, brauche es eine aktive Basis, politische Lobbyistinnen, eigene Strukturen, eine klare Strategie, gute Koalitionspartnerinnen und nachhaltige Ressourcen. Strukturelle Veränderungen seien dabei in Betracht zu ziehen: „Die jüngere Generation will Flexibleres“, so Jegher. Zudem verändere sich die Debatte, da politische Arbeit mehr und mehr als „Management-Aufgabe“ verstanden werde. Die feministischen Errungenschaften seien jedoch durch die „Hartnäckigkeit von Feministinnen“ entstanden, „nie und nimmer über eine Management-Strategie“.

Gender Mainstreaming als „Strategie zur Verschönerung des Geschlechterverhältnisses“ stellte anschliessend Zita Küng vor. Gleichstellungsforderungen seien rechtlich erfüllt, „die Realität zieht aber nicht automatisch mit“, so die Juristin und Agenturinhaberin. Neben „Ungleichzeitigkeiten der Entwicklung im weltweiten Vergleich“ hätte auch die Tatsache, dass „feministische Gruppen und Organisationen wenig Kraft“ entwickeln, zur Suche nach neuen Strategien geführt.

Gender Mainstreaming bestehe in der Entwicklung von Entscheidungsprozessen mit dem Ziel, eine geschlechterbezogene Sichtweise auf allen Ebenen einzubeziehen. Die politisch Gestaltenden sollten „den Blickwinkel der Gleichstellung“ einnehmen. Einzelne Führungskräfte und Bildungsinstitutionen erkennen laut Küng bereits „Genderkompetenz als Teil von Führungskompetenz“. Die Geschlechterfrage müsse repolitisiert werden, betonte Küng. Es sei an den Frauen, sich hier mit ihrer Einschätzung Gehör zu verschaffen.

Die Teilnehmerinnen diskutierten im Anschluss praktische Fragen zur Weiterentwicklung der kirchlichen Frauen- und Gleichstellungsarbeit. Die Zusammenarbeit mit gleichstellungsorientierten Männern und konkrete Erfahrungen mit der Umsetzung von Gendermainstreamingprozessen in der Kirche waren dabei wichtige Aspekte.