Open Forum debattiert das religiöse Gewaltpotential

SEK-Präsident Thomas Wipf debattiert auf dem Open Forum Davos mit Religionsvertretern und Experten die Frage, ob der Wahrheitsanspruch von Religion zu Gewalt führt. ÖRK-Generalsekretär Olav Fykse Tveit ermutigt die Kirchen, den offenen Dialog zu fördern.

„Meine Wahrheit kann nicht die Wahrheit für andere sein. Ich darf sie niemandem aufzwingen, schon gar nicht mit Gewalt“, so Thomas Wipf, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK, gestern während des Open Forum Davos. Ein vom Schweizer Fernsehmoderator Urs Leuthard moderierte sechsköpfiges Panel debattierte die Frage „Führt der Wahrheitsanspruch von Religionen zu Gewalt?“

Wahrheit sei eine Suchbewegung, kein Herrschaftsanspruch, so Wipf weiter, der ausserdem darauf aufmerksam machte, dass die meisten „Religionskriege“ in Wahrheit religiös aufgeladene politische Auseinandersetzungen seien. Dies unterstützte Marcia Pally, Professorin für multikulturelle Studien an der New York University. Menschen seien „sehr begabt darin, Gewalt zu legitimieren. Religion ist dabei nur eine von vielen Begründungen“.

Der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen ÖRK, Olav Fykse Tveit, besuchte das Open Forum Davos am Eröffnungsabend. Tveit zeigte sich beeindruckt von den lebhaften Debatten. Es sei richtig, den Politikern und Wirtschaftsführern nicht das Feld zu überlassen. „Wir Kirchen tun gut daran, das Gespräch zu fördern, schliesslich haben wir konkrete Vorschläge und Standpunkte“, so Tveit: „Wir müssen uns stets vor Augen halten, welche Auswirkungen unser Tun auf die Ärmsten der Welt hat.“

Der SEK hat zum Open Forum Davos eine Sonderausgabe seines Magazins „bulletin“ in neuem Layout veröffentlicht. Die sieben Panelthemen werden in Artikeln und Interviews aus kirchlich-ethischer Perspektive beleuchtet und tragen so die in Davos angestossenen Debatten zu den Leserinnen und Lesern. Das bulletin kann auf www.openforumdavos.ch bestellt, abonniert und heruntergeladen werden.

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