Saad Hariri bedauert gegenüber Thomas Wipf die Abwanderung von Christen aus dem Nahen Osten

Die Delegation des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes unter der Leitung des Ratspräsidenten Thomas Wipf ist heute vom libanesischen Ministerpräsidenten Saad Hariri empfangen worden. Gesprächsthema war der religionspolitische Dialog.

SEK-Ratspräsident Thomas Wipf drückte im Gespräch mit dem libanesischen Ministerpräsidenten seine Sorge aus über die enormen Herausforderungen, denen sich der multi-religiöse Libanon zur Zeit stellen muss. Diese betreffen ganz direkt auch die christliche Minderheit. „Im Umgang mit religiösen und politischen Konflikten können die hier gefundenen Lösungsansätze auch für die Schweiz Anstösse geben. Auch die Schweiz entwickelt sich mehr und mehr zu einer multikulturellen und multi-religiösen Gesellschaft und wird sich in Zukunft noch vermehrt diesen Herausforderungen stellen müssen,“ sagte Wipf. „Umgekehrt“, so Wipf, „hat die Schweiz vor allem seit der Minarett-Abstimmung im Schweizerischen Rat der Religionen SCR eine neue Form des religionspolitischen Dialogs gefunden, die im Libanon auf Interesse stossen könnte.“

Auch der libanesische Ministerpräsident bedauerte die Abwanderung von Christen aus dem Nahen Osten und sieht die Gründe in der unstabilen Lage, in der sich die gesamte Region befindet. Nur ein dauerhafter Friede mit allen beteiligten Konfliktparteien im Nahen Osten könne die von allen Menschen benötigte Stabilität schaffen.

Am Sonntag hatte der Präsident des SEK am Gottesdienst der Nationalen Evangelischen Kirche in Beirut teilgenommen. „Wir sind hier, um zuzuhören und um unsere Solidarität mit der christlichen Minderheit auszudrücken“, sagte der SEK Präsident zur Kirchgemeinde. Pfarrer Habib Badr rief in seiner Predigt die Gemeinde auf, ihre Verantwortung im Land wahrzunehmen und nicht vor den Problemen und drohenden neuen Konflikten im Land wegzulaufen.

Die Frage der Abwanderung vieler Christen in den Westen beschäftigte die Delegation auch während ihres Besuchs der „Near East School of Theology“, NEST. Im Zentrum der Gespräche mit dem Dekan, George Sabra, standen Fragen des Zusammenlebens der Religionen im Libanon, die Entflechtung von Religion und Politik und die Rolle der libanesischen Zivilgesellschaft. NEST ist die einzige Ausbildungsstätte für evangelische Theologen und Theologinnen im Nahen Osten.

Die Religionsfreiheit und das friedliche Zusammenleben der Religionen sind für den Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund SEK zentrale Themen. Seit vielen Jahren pflegt der SEK einen intensiven Kontakt zu den Schwesterkirchen im Nahen Osten, vor allem zur Gemeinschaft Evangelischer Kirchen im Nahen Osten FMEEC.

Vor ihrer Weiterreise nach Syrien wird die Delegation morgen Dienstag das Oberhaupt der maronitischen Kirche, Patriarch Nasrallah Boutros Sfeir und Salim Sahiouny, Präsident des Evangelischen Kirchenrates im Libanon und Syrien sowie den libanesischen Informationsminister, Tarek Mitri treffen.