SEK-Delegation im Nahen Osten teilt Sorge um ausländische evangelikale Missionstätigkeit

Die Delegation des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK trifft in Syrien irakische Flüchtlinge und diskutiert mit Kirchenoberhäuptern die wachsende Sorge um die Lage der Christen im Irak. Die Delegation hat auch in einem Treffen mit dem Gross-Mufti von Syrien und dem Religionsminister besprochen, wie dem religiösen Fundamentalismus begegnet werden kann.

Am letzten Tag ihres viertägigen Besuchs in Syrien ist die Delegation des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK mit irakischen Flüchtlingen zusammengetroffen und zeigte sich erschüttert über die Situation im Irak. „Gewalt, Vertreibung und Verlust betreffen alle, unabhängig von ihrer Religion“, sagt Ratspräsident Thomas Wipf im Anschluss an das Treffen, das von der griechisch-orthodoxen Kirche in Damaskus organisiert worden war.

„Und trotz dieser harten Schicksale“, sagte Pfarrerin Kristin Rossier Buri, Mitglied des Rates SEK, zu den Anwesenden, „habe ich aus Ihren Aussagen Hoffnung geschöpft: Weil Sie sich alle um die Zukunft Ihrer Kinder sorgen, weil Sie sich selbst nicht aufgeben und weil wir hier Ihren starken Zusammenhalt über alle Glaubensrichtungen hinweg erleben.“

Die Delegation pflegte während ihres Aufenthalts in Syrien einen intensiven Austausch mit den Kirchenoberhäuptern der verschiedenen christlichen Glaubensgemeinschaften. Insbesondere die Begegnung mit der Nationalen Evangelischen Kirche war von grosser Offenheit und Freundschaft geprägt. Im Zentrum der Gespräche standen das Zusammenleben mit der muslimischen Mehrheit des Landes und die Situation der Christen im Nahen Osten, insbesondere im Irak.

Thomas Wipf zeigt sich beeindruckt über das gute Einvernehmen der christlichen Gemeinschaften Syriens unter einander und mit den Muslimen. „Wir teilen aber die Sorge der hier ansässigen Kirchen über die Missionstätigkeit ausländischer evangelikaler Gruppen besonders im Irak. Sie stören ein Zusammenleben in einer höchst labilen Umgebung und schaden den Christen in der ganzen Region“.

Das Oberhaupt der syrisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Moran Mor Ignatius Zakka I Iwas, hatte gegenüber der Delegation seine wachsende Sorge um die Lage der Christen im Irak zum Ausdruck gebracht. Charismatische, missionarisch auftretende Gruppen, meist amerikanischen Ursprungs, gewännen im Irak zunehmend an Einfluss. Sie träten mit den traditionellen Kirchen in Konkurrenz und würden als politischer Teil der Besetzer des Iraks verstanden. In der Folge würden alle Christen aus politischen Gründen verfolgt. In Syrien leben gemäss unterschiedlicher Schätzungen 300‘000 bis 600‘000 irakische Flüchtlinge. Viele sind zunehmend auf die Unterstützung meist kirchlicher Organisationen angewiesen.

Die Delegation wurde auch vom Gross-Mufti von Syrien und dem Religionsminister empfangen. Die Annahme der Minarett-Initiative in der Schweiz und die interreligiösen Beziehungen standen in diesen Gesprächen im Vordergrund. Dabei wurde auch besprochen, wie dem religiösen Fundamentalismus begegnet werden kann. Syrien versteht sich als laizistisches Land.

Das nächste Ziel der Delegation ist Jordanien, wo ein Treffen mit Prinz Ghazi bin Muhammad geplant ist. Am Sonntag wird die Delegation in Amman am Erntedank Gottesdienst mit Bischof Mounib Younan, Präsident des lutherischen Weltbundes, teilnehmen.