Stabilität des Finanzsystems ist globales öffentliches Gut

Wirtschaftliches Handeln muss an den Grundwerten der Verantwortung, Gerechtigkeit und der Option für die Armen orientiert sein, fordert der Schweizerische Evangelische Kirchenbund SEK in seiner neuesten Studie, die er an zwei international besetzten Tagungen vorlegt.

Die jüngsten Finanzkrisen haben die Menschen weltweit hart getroffen. Die realwirtschaftlichen Folgen gefährden nicht nur den sozialen Schutz und die Beschäftigung in Industrieländern. Sie verschärfen auch die Situation der Menschenrechte auf Entwicklung, Nahrung sowie Schutz vor Diskriminierung in Entwicklungsländern Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund SEK legt nun eine Studie zu diesen jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrisen aus evangelischer Sicht vor. „Gerechtes Haushalten und faires Spiel“ analysiert Ursachen und Hintergründe und macht Vorschläge, wie eine nachhaltige Ethik das internationale Wirtschaftssystem stabilisieren kann.

Ziel einer „Ethik des Finanzsystems“ muss aus evangelischer Sicht sein, zu einer menschengerechten und lebensdienlichen Wirtschaft beizutragen. Der SEK fordert in seiner Studie eine Neuorientierung des wirtschaftlichen Handelns an den Grundwerten der Freiheit und Verantwortung, der Gerechtigkeit, der Solidarität und der „Option für die Armen“, der Partizipation und der internationalen Rechtsordnung sowie an der Nachhaltigkeit.

Die Stabilität des Finanzsystems ist ein globales öffentliches Gut, das durch die Politik bereitzustellen ist, lautet eine zentrale Feststellung der Studie. Die Finanzsysteme und das Bankenwesen müssen über wirksame Regulierungs- und Durchsetzungsbefugnisse stärker kontrolliert werden. Rating-Agenturen sollten keinen Anreiz haben, Wertpapiere interessengeleitet zu bewerten und damit potentielle Risiken zu unterschlagen. Auch steuerrelevante Informationen müssen transparent für die zuständigen Behörden sein. Nationalstaatliche Besonderheiten dürfen die Bekämpfung der Steuerflucht nicht behindern. Grundsätzlich sind die Systeme der sozialen Sicherheit so zu gestalten, dass sie vor den Risiken der Finanzmärkte geschützt sind. Als Konsequenz aus seinen Forderungen plädiert die Studie abschliessend für das umfassende, über Finanzfragen hinausgehende Konzept des „Global Green New Deal“.

Vom 8. bis 12. November beschäftigt sich eine internationale Tagung des Ökumenischen Rates der Kirchen und der Konferenz Europäischer Kirchen in Budapest unter anderem mit der SEK-Studie. Ein breites Fachpublikum wird am 8. Dezember die Initiative des Kirchenbundes diskutieren. Der SEK und die Universität Basel laden dort zu einer Tagung mit Vorträgen und einer Podiumsdiskussion in die Universität Basel ein. Weitere Mitorganisatoren sind das Forum für Zeitfragen, das Pfarramt für Industrie und Wirtschaft sowie das Zentrum für Religion, Wirtschaft und Politik.

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