„Feminisierung der Kirchen - zwischen Schreckgespenst und Heilserwartung“

„Feminisierung der Kirchen - zwischen Schreckgespenst und Heilserwartung“ lautete das Motto der Frauenkonferenz des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, zu der sich am 31. Oktober 2011 55 Delegierte und Gäste der Mitgliedkirchen des Kirchenbundes in Bern versammelten.

Die „Feminisierung der Kirchen“ sei oft mit einem abwertenden Unterton belegt, so die Vorbereitungsgruppe unter der Präsidentin der Frauenkonferenz, Sabine Scheuter. Die Wahrnehmung, es gäbe mehr Frauen als Männer im Pfarramt, sei weit verbreitet. Die Realität sähe jedoch anders aus, betonte Scheuter. Der Frauenanteil betrage in der Schweiz rund 30%. Mit Blick auf die Anstellungsprozente macht der Frauenanteil gar nur etwa 25% aus. „Das bedeutet: Es ist noch keine Frauenmehrheit in Sicht“, so Scheuter. Auch die Leitungsfunktionen in kirchlichen Behörden seien in den meisten Bereichen von Männern dominiert. An den Universitäten sei eine feministisch-theologische Ausrichtung „noch immer karrierehemmend“. Zum Teil sei gar ein Rückwärtstrend zu beobachten, so werde die geschlechtergerechte Sprache zum Teil selbst von jungen Pfarrerinnen abgelehnt.

In ihrem Referat thematisierte Brigitte Liebig, Professorin an der Hochschule für Angewandte Psychologie der Fachhochschule Nordwestschweiz, Situation und Deutungen zum „Gender Switch“ aus akademischer Perspektive. Zwar dringen Frauen weiter in traditionell männliche Berufsfelder vor, werden dort aber nur „marginalisiert integriert“. Ihnen blieben nur die weniger prestigeträchtigen Bereiche in einem Berufsfeld, so Liebig.

„Viel ist erreicht, das sollte uns aber nicht davon abhalten, mehr zu machen“, so die Germanistin und Theologin Ina Praetorius im Podiumsgespräch. Nur bringe es nichts, unablässig „über alberne Rollenvorstellungen nachzudenken“.

„Kirche ist heute eher ein Entwicklungs- und Lebensraum für Frauen als für Männer“, betonte der Theologe und Organisationsberater Andreas Borter. Durch die „Entmaskulinisierung“ der Kirche fühlten sich Männer in ihr nicht länger daheim.

Die akademische feministische Theologie müsse dafür sorgen, „nicht länger separat zu sein, sondern alltagstauglich zu werden“, so Christina Aus der Au, theologische Geschäftsführerin des Zentrums für Kirchenentwicklung an der Universität Zürich. Andererseits habe die akademische Theologie noch keine feministischen Einsichten gewonnen, betonte die Präsidentin der Protestantischen Kirche von Genf, Charlotte Kuffer.

Im geschäftlichen Teil der Frauenkonferenz wurde Pia Moser in den Leitungsausschuss gewählt. Moser ist Bereichsleiterin Katechetik in den Gesamtkirchlichen Diensten der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn.

Die kommende Frauenkonferenz findet am 26. März 2012 in Bern statt.

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