SEK-Frauenkonferenz diskutiert Frage nach reformiertem Bekenntnis

Die Frauenkonferenz des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK diskutierte in Bern das „Werkbuch Bekenntnis“, zu dem bis Sommer alle Interessierten zur Stellungnahme eingeladen sind.

„Bekenntnis: Chance für eine postpatriarchale Kirche?“, so das Motto der Frauenkonferenz des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK am 4. April 2011 in Bern. Anlass intensiver Diskussionen war das „Werkbuch Bekenntnis“ des SEK. Das Buch stellt eine Auswahl von Bekenntnistexten vor und fragt: Welchen Stellenwert sollen diese Texte in den reformierten Kirchen zukünftig haben? Eine Vernehmlassung zu dieser Frage läuft noch bis Juni 2011. Frauen bildeten die Mehrheit innerhalb der reformierten Kirchen in der Schweiz, so Tagungsleiterin Simone Weil: „Unser Beitrag ist also sehr wichtig.“

„Bekennen heisst: Zeuginnen und Zeugen Gottes vor der Welt sein“, so Pierre Bühler, Professor für Systematische Theologie an der Universität Zürich, in seinem Vortrag. Reformiertes Bekennen zeichne sich dadurch aus, dass es keine abgeschlossene, verpflichtende Bekenntnissammlung gebe: „Das Bekennen als solches ist wichtiger als die Festlegung eines bestimmten Bekenntnisses.“ Eine Spannung könne hier zwischen dem eigenen konfessionellen Profil und einer ökumenischen Offenheit entstehen, so Bühler.

„Für Frauen sei der Inhalt des Bekennens lange Zeit weniger wichtig gewesen als der Akt des Bekennens selbst“, so Regine Munz, Privatdozentin für Systematische Theologie an der Universität Basel. Mit einem Bekenntnis findet immer eine Ein- und Ausgrenzung statt. „Ich bringe zum Ausdruck, was mit dem Geglaubten nicht vereinbar ist“, so Munz. Jedes Bekenntnis sei auch „ein öffentlicher Akt der Selbstauskunft“.

„Wo können sich die spezifischen Frauenanliegen in diesen Prozess einbringen?“ fragte Judith Wipfler, Moderatorin von Blickpunkt Religion bei DRS2, in der Podiumsdiskussion. Wichtig sei, dass sich die Frauen an der öffentlichen Vernehmlassung des Kirchenbundes beteiligten und sich „nicht in nobler Zurückhaltung üben“, so Susanne Graf-Brawand, Mitglied der Initiativgruppe Bekenntnis. SEK-Ratsmitglied Daniel de Roche betonte, die reformierten Kirchen der Schweiz hätten die Chance, sich mit dem Bekenntnisprojekt „auf einer gemeinsamen Ebene zu finden“.

Die Frauenkonferenz verabschiedete am Ende der Tagung eine Stellungnahme zum Vernehmlassungsprozess des Bekenntnisprojektes. An der Bekenntnisfreiheit muss festgehalten werden, so die Delegierten. Ziel soll eine Auswahl, nicht ein verbindliches Bekenntnis sein. Diese Auswahl soll von Frauen formulierte wie auch feministische Bekenntnisse beinhalten. Auch die Vielfalt des Bekennens im Singen, Tanzen, Handeln, Schweigen soll berücksichtigt werden.