"Freiheit darf nicht missbraucht werden"

Kirchenbundspräsident Gottfried Locher verurteilt die Gewalt gegen westliche Einrichtungen nach der Veröffentlichung des Mohammed-Films und ruft gleichzeitig dazu auf, Muslime nicht zu verunglimpfen.
GEKE

Der Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes Gottfried Locher verurteilte heute die weltweite Verschärfung der Gewaltspirale nach der Veröffentlichung des Mohammed-Films: „‚Innocence of Muslims‘ hat einen Flächenbrand entfacht, der gelöscht werden muss. Jetzt darf kein weiteres Öl ins Feuer gegossen werden.“ Am Rande der am Donnerstag eröffneten Vollversammlung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa GEKE appellierte Locher in Florenz an die Vernunft aller am Konflikt Beteiligten.

Meinungsfreiheit sei ein hohes Gut, betonte Locher. Der Staat habe die Meinungsfreiheit zu schützen, gerade dann, wenn sie auf Widerstand stosse. Staatliches Recht sei jedoch nicht einfach deckungsgleich mit kirchlicher Ethik: „Evangelische Freiheit geht niemals auf Kosten anderer. Freiheit darf nicht missbraucht werden“, so Locher mit Blick auf die jüngsten Mohammed-Karikaturen in französischen und deutschen Medien: „Verunglimpfungen sind keine Zeichen von Freiheit. Wenn ich frei bin, habe ich auch die Freiheit, zu verzichten.“

„Medien publizieren weiterhin Mohammed-Karikaturen, obwohl sie wissen, dass dann Häuser brennen werden. Hier geht es nicht mehr nur um Meinungsfreiheit“, so Locher. Mit gleichem Nachdruck verurteilte der Kirchenbundspräsident die brutale Gewalt gegen westliche Einrichtungen. „Verletzte Gefühle geben niemandem ein Recht zum Töten. Verletzende Worte legitimieren nicht zur Gewalt.“