Kirchenbund und Armenische Kirche vereinbaren gemeinsame 100-Jahr-Gedenkfeier des Armeniergenozids

Besuch des Kirchenbundspräsidenten bei Katholikos Aram I. in Beirut – Oberhaupt der armenischen apostolischen Kirche im Nahen Osten dankt der Schweiz für hundert Jahre Solidarität.

Aram I., einer der beiden höchsten Würdenträger der weltweit tätigen Armenischen Apostolischen Kirche, dankte an einem Empfang in Beirut (Libanon) den Schweizer Kirchen und dem Schweizervolk für die selbstlose und umfassende Unterstützung während des Armeniergenozids vor bald einhundert Jahren. In Anwesenheit der Schweizer Botschafterin Ruth Flint und Kirchenbundspräsident Gottfried Locher betonte der Katholikos am vergangenen Sonntag die Freundschaft zwischen der evangelischen Kirche in der Schweiz und den Armenischen Christinnen und Christen. Auch heute noch leiste die schweizerisch-armenische Stiftung Armenofas wichtige Hilfe für Armenier in Not.

Gottfried Locher bekräftigte die guten Beziehungen des Schweizerischen Kirchenbundes mit den Kirchen im Nahen Osten und die Notwendigkeit, diese Beziehungen noch zu vertiefen. Es gelte, die damaligen Verbrechen vor dem Vergessen zu schützen: „Das Unrecht war himmelschreiend, nicht weniger eindrücklich war aber auch die Hilfsbereitschaft in unserem Land.“

Für das Jahr 2015 vereinbarten Locher und Aram I. eine gemeinsame 100-Jahr-Gedenkfeier in der Schweiz. Zwischen 1915 und 1918 fielen zwischen 800‘000 und 1,5 Millionen Armenierinnen und Armenier sowie andere Volksgruppen wie die Assyrer einer systematischen Vernichtung zum Opfer. Zahlreiche Schweizerinnen und Schweizer bekundeten damals ihre Solidarität, halfen Waisen und nahmen Flüchtlinge auf. Noch heute lebt eine Gemeinschaft von rund 6‘000 Armeniern in der Schweiz.

In Anerkennung der Schweizer Solidarität mit der Armenischen Kirche verlieh Aram I. dem Kirchenbundspräsidenten stellvertretend den armenischen Orden „Knight of Cilicia“.

Die Schweizer Delegation hatte zudem Gelegenheit für eine Aussprache mit Vertretern der Evangelischen Kirchen der Region. Im Mittelpunkt stand die gemeinsame Sorge um die Diskriminierung der Christen im Nahen Osten.