Sehnsucht als Motor der Spiritualität

Die Frauenkonferenz des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes diskutierte am 18. März in Bern das Thema “Für uns selbst und für die Welt: Spiritualität für morgen”.

Der Begriff der Spiritualität ist in aller Munde. Angebote zur spirituellen Praxis boomen innerhalb und ausserhalb der Kirche. Die meisten dieser Angebote werden von Frauen wahrgenommen. Was suchen und finden Frauen, wenn sie sich auf einen spirituellen Weg begeben?

“Für uns selbst und für die Welt: Spiritualität für morgen” lautete das Thema der Frühjahrs-Frauenkonferenz des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes. Am 18. März versammelten sich dazu 52 Delegierte und Gäste der Kirchen des Kirchenbundes in Bern.

“Ich orte einen unüberschaubaren Spiritualitätsmarkt, der sehr vielen so manches verspricht. Ich hege erhebliche Zweifel, dass dieser Markt seine Versprechen einzulösen vermag.” Mit diesem Votum leitete Peter Schmid, Vizepräsident des Rates des Kirchenbundes, sein Grusswort zu Beginn der Konferenz ein. Die “Fähigkeit zur sachgerechten Unterscheidung” sei wohl ein Schlüssel zur Erkenntnis, den es jedoch erst zu finden gelte, so Schmid.

Brigitte Becker von der Fachstelle Spiritualität und Lebensstil der Reformierten Kirche Kanton Zürich führte in den Begriff ein. Spiritualität sei “nahe an unseren Erfahrungen”, so Becker. Sie sei “etwas, was radikal mit dem zu tun hat, was wir suchen, was wir erleben wollen”. Den Begriff der Spiritualität grenzte die Pfarrerin dabei von Frömmigkeit wie von Religiosität ab: “Menschen, die spirituell sind, sind nicht unbedingt religiös.”

“Sehnsucht ist der Motor, der die Suche nach Spiritualität antreibt”, so Becker weiter. Diese Suche geschieht gemäss des österreichischen katholischen Religionssoziologen Paul Zulehner in vier Regionen. Menschen suchten nach „dem eigenen Ich, nach Verwebung und Vernetzung, nach umfassender Heilung und nach der Ethik umfassender Liebe“.

Diese “Grundsehnsüchte” können der Anfang einer spirituellen Bewegung sein. Becker: “Etwas, was wir mit vielen anderen Menschen teilen, innerhalb und ausserhalb der Kirchen.” Kennzeichen christlicher Spiritualität sei es, die “Ambivalenz aus der Suche und der Tatsache, in der ‘vorläufigen’ Welt zu bleiben, auszuhalten”.

Verschiedene Workshops beschäftigten sich im Anschluss mit der Spiritualität als „Kraft- und Gegenort“ im Gegensatz zum Alltag. Spiritualität sei mehr als eine Nische zur Kompensation von Stress und Überforderung. Präsentiert wurden spirituelle Praxisformen, die den Blick nach innen und aussen schärfen, Wachheit und Verantwortung stärken und damit „Selbstsorge und Weltsorge“ miteinander verbinden.

Die kommende Frauenkonferenz findet gemeinsam mit der Diakoniekonferenz am 28. Oktober 2013 in Bern statt.