„Sterbenden ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen“

Kirchliche Diakonie kann eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe für die Begleitung eines Sterbenden wahrnehmen, so die Diakoniekonferenz des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes in Bern.

Palliative Care ist ein Schlagwort für die Betreuung von Menschen am Lebensende. Als Medizin- und Pflegekonzept bekannt, bleibt eine andere Seite von Palliative Care in der öffentlichen Diskussion unterbestimmt: die ganzheitliche, sozial und familiär integrierte Betreuung und Begleitung.

“Ganz bei den Menschen – Palliative Care aus diakonischer Sicht” lautete der Titel der Diakoniekonferenz des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes vom 18. April. Rund 50 Delegierte der 26 evangelischen Kirchen der Schweiz versammelten sich in Bern, um sich über den kirchlich-diakonischen Ansatz zu Palliative Care auszutauschen.

“Die Menschlichkeit am Ende des Lebens zeigt sich in der Bedeutung, die der Sterbende für seine Mitmenschen hat”, betonte Frank Mathwig in seinem Referat. Das Sterben werde zumeist reflexartig als Krankheit verstanden und der Medizin überlassen, so der Beauftragte für Theologie und Ethik des Kirchenbundes. Ganz anders stelle es sich dar, wenn es nicht der Gesundheit, sondern dem Tod gegenübergestellt wird. Dann kann das Sterben “als letzte Phase in der Lebensgeschichte eines Menschen” wahrgenommen werden. Anspruch von Palliative Care müsse sein, Sterbenden „eine möglichst selbstbestimmte, sozial integrierte Lebensweise zu ermöglichen“.

Kirchliche Diakonie könne hier eine wichtige Aufgabe übernehmen, so Mathwig: von der Angehörigenberatung über die Betreuung von Selbsthilfe- und Angehörigengruppen, die Schulung und Vermittlung von Freiwilligenarbeit bis hin zu zivilgesellschaftlichen Koordinationsaufgaben.

Die Pfarrerin und Sozialpädagogin Martina Holder erinnerte an Cicely Saunders, Mitbegründerin der modernen Hospizbewegung und der Palliativmedizin. Die 2005 verstorbene englische Ärztin und Sozialarbeiterin betonte die „Solidarität und Beziehung“ statt der „Versorgung“ im Pflegegeschehen. Lerngemeinschaft statt Hierarchie sei ein Motto Saunders’ gewesen, so Holder.

Verschiedene Workshops dienten im Anschluss dem Austausch von Impulsen. Die Situation von Angehörigen am Sterbebett gehörte ebenso dazu wie die Kirchliche Ausbildung der Freiwilligen in Palliative und Spiritual Care. Kirche solle sich in der nationalen Palliative Care – Strategie durch Qualifikation und Vernetzung sichtbar machen, lautete ein Votum der Workshops.

Die kommende Diakoniekonferenz findet gemeinsam mit der Frauenkonferenz des Kirchenbundes am 28. Oktober 2013 in Bern statt.

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