Migration bringt Christentümer in die Schweiz

Das erste Verzeichnis von fast 350 christlichen Migrationsgemeinden erlaubt einen tiefen Einblick in die Vielfalt christlicher Gemeinschaften und Kirchen in der Schweiz. Eine Medienmitteilung des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts SPI.
© Claude Giger

Ein Verzeichnis von fast 350 christlichen Migrationsgemeinden erlaubt einen tiefen Einblick in die Vielfalt christlicher Gemeinschaften und Kirchen in der Schweiz. Christliche Migrationsgemeinden tragen in hohem Masse zu veränderten Gesichtszügen des christlichen Glaubens in der Schweiz bei. Sie erbringen zudem wichtige Leistungen im Rahmen der Integration von Migrantinnen und Migranten in die Schweiz.

Das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut, SPI, in St. Gallen hat 2012 und 2013 in Kooperation mit dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund, SEK, in Bern und der Dienststelle migratio der Schweizer Bischofskonferenz, Fribourg, sowie mit Hilfe zahlreicher Personen aus unterschiedlichen Kirchen Adressen und Informationen zu christlichen Migrationsgemeinden gesammelt und diese für das vorliegende Verzeichnis aufbereitet.

Christentümer

Hunderte christlicher Migrationsgemeinden signalisieren: Das Christentum in der Schweiz ist bunter geworden. Eine Vielzahl von Christentümern ersetzt das vormals übersichtliche konfessionelle Bild der Schweiz.

  • Der Katholizismus erscheint heute in zahlreichen kulturellen, nationalen oder sprachlichen Katholizismen mit je eigenen Ausdrucksweisen und Frömmigkeitsformen. Dazu kommen orthodoxe Kirchen und altkirchliche Traditionen vor allem aus Afrika und Asien.
  • Auch in den reformierten Kirchen lebt und glaubt es sich schon seit längerem vielsprachig.
  • Stark zugenommen haben Christinnen und Christen mit evangelikaler und pfingstlicher Prägung. Lateinamerikanische, asiatische und afrikanische Erfahrungen mit dem christlichen Glauben finden in der Schweiz eine Heimat.

Ein epochaler religiöser Umbruch – Enteuropäisierung des europäischen Christentums

Die Prozesse der Globalisierung bereichern die traditionellen konfessionellen Formen des Christlichen in der Schweiz. Zugleich relativieren sie diese auch und erinnern an die weltweite und ökumenische Dimension des christlichen Glaubens.

Gerade die europäischen Kirchen, die sich über Jahrhunderte in der ganzen Welt ausgebreitet haben, werden aktuell durch die Präsenz zahlreicher Christen und Christinnen aus anderen kulturellen Kontexten irritiert. Die Enteuropäisierung des europäischen Christentums durch die Vielzahl der weltweit entstandenen Dialekte des Christlichen, die heute in Europa lebendig gegenwärtig sind, darf zu den epochalen religiösen Umbrüchen unserer Zeit gezählt werden.

Mit der Veröffentlichung des Verzeichnisses verbinden sich mehrere Erwartungen:

  • Die Sichtbarkeit und Ansprechbarkeit christlicher Migrationsgemeinden wird gefördert.
  • Das Verzeichnis belegt die Bereitschaft der beteiligten christlichen Migrationsgemeinden zum Gespräch und zur Gastfreundschaft.
  • Für die kirchliche Praxis ist das Verzeichnis eine Hilfe, um auf Angebote hinzuweisen, in denen Menschen mit Migrationshintergrund spirituell, kulturell oder sprachlich eine gute Beheimatung finden können.
  • Für die zahlreichen Engagierten im Bereich weltweiter Solidarität ist das Verzeichnis eine Chance zur Vernetzung mit neuen Partnern.

Inhalt und Struktur

Verschiedenste christliche Migrationsgemeinden lassen sich im neuen Verzeichnis, das als PDF-Dokument frei zugänglich ist, leicht finden. Als einfache Orientierung dienen die Postleitzahlen der Adressen der Migrationsgemeinden. Neben Kontakthinweisen zu den einzelnen Gemeinden informiert das Verzeichnis in knapper Form über Gottesdienste, Sprachen, Übersetzungsangebote und über das jeweilige kirchliche und theologische Profil der Gemeinden.

Verfasser: 
SPI