Neubelebung der Beziehungen zwischen den Evangelischen Kirchen Chinas und der Schweiz

Vom 16.-24. November weilte eine Delegation, angeführt von Gottfried Locher, Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK, in Schanghai, Volksrepublik China. Dort konnte sie ihre chinesischen Partner treffen und das "Memorandum of Understanding" erneuern, das seit 2005 beide Länder verbindet. Dabei wurden die Modalitäten für eine Zusammenarbeit im Rahmen des Reformationsjubiläums ab 2017 festgelegt.

East China Theological Seminary in Shanghai; Mitte links: Gottfried Locher, Ratspräsident SEK, Mitte rechts: Präsident Pfr. Xue Bin Shen

Durch die Erneuerung ihres “Memorandum of Understanding” bekräftigen die Evangelischen Kirchen Chinas und der Schweiz die Absicht, ihre Zusammenarbeit im Bereich der Ausbildung, insbesondere der postdoktoralen theologischen Ausbildung, zu verstärken. Dadurch können sich die Kirchenleiter ein modernes und der Ökumene gegenüber offenes theologisches Rüstzeug aneignen. Das rasante Wachstum der chinesischen Kirche erschwert es, den eingeschlagenen Kurs zu halten und innerhalb der Gemeinden ein Gefühl der Einheit und der Zusammengehörigkeit zu schaffen.

Chinesische Präsenz beim Reformationsjubiläum

Ab 2017 schickt sich das evangelische Europa an, des 500. Geburtstages der Reformation zu gedenken. Der SEK arbeitet eng mit der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD zusammen. Der SEK wünscht sich für 2017 eine starke Schweizer Präsenz in der Lutherstadt Wittenberg. Auch der Vorschlag für eine chinesische Präsenz, an der beide Kirchen ab jetzt arbeiten werden, wurde in Schanghai begeistert aufgenommen.

Langjährige Beziehungen

Schon seit 1985 pflegen die Evangelischen Kirchen der Schweiz Kontakte mit den Evangelischen Kirchen Chinas. Die chinesische Kirche bezeichnet sich selber als Kirche im Entstehen. Die bei uns in Europa gängigen Konfessionsbezeichnungen werden dort nicht gleichermassen verwendet. Die Frage der Einheit stellt sich ebenso sehr in China, wie sie sich auch bei uns in Europa stellt, und zwar innerhalb des Protestantismus wie auch innerhalb des Christentums. Der rasant wachsende chinesische Protestantismus versucht, eine kontextuelle Theologie inmitten der jahrtausendealten chinesischen Kultur zu entwickeln.