Reformierte Kirchen errichten „Diakonie Schweiz“

Die Abgeordnetenversammlung (AV) des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes beschloss während ihrer Versammlung am 3. und 4. November in Bern die Einrichtung einer "Diakonie Schweiz" und erhöhte die Beiträge zur Seelsorge für Asylsuchende. Jean-Marc Schmid (BE) wurde zum AV-Präsidenten 2015-2016 gewählt.
Photo: Thomas Flügge, FEPS

Verabschiedung von „Diakonie Schweiz“

Die Situation der diakonischen Institutionen auf nationaler und regionaler Ebene ist zunehmend unübersichtlich. Diese Feststellung führte 2011 zu einem Projekt zur Bündelung und zur Vernetzung der diakonischen Institutionen („Motion Diakonie“). Das erarbeitete Reorganisationsmodell namens „Diakonie Schweiz“ sieht eine weitgehende Zusammenlegung der bisherigen diakonischen Institutionen auf nationaler Ebene vor. Das Projekt wurde gestern den Abgeordneten vorgelegt und von ihnen angenommen. Die strategische Führung von „Diakonie Schweiz“ wird zukünftig von einem Kollegium der für den Bereich der Diakonie zuständigen Mitglieder der kantonalen Kirchenexekutiven wahrgenommen.

Resolution an den Bundesrat

Die Delegierten haben sich mit zwei Vorstössen aus den Reihen der Kirchen auseinandergesetzt. Sie nahmen einstimmig eine Resolution der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn an. Die Delegierten fordern den Bundesrat auf, das Flüchtlingskontingent für bedrohte Syrerinnen und Syrer wie auch für vom UNHCR registrierte Flüchtlinge aus weiteren Staaten des Mittleren Ostens und anderen Weltregionen deutlich auf 5000 zu erhöhen. Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es auf der Welt über 50 Millionen Flüchtlinge. Auch die Kirchen und ihre Kirchgemeinden sollen ihren Beitrag leisten und Gastfreundschaft gegenüber Flüchtlingen üben.

Gemäss Vorstoss der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Basel-Landschaft wurde der Rat des Kirchenbundes beauftragt, sich für die Achtung der Schweizer Verfassung, die gemäss der Motionäre immer häufiger verletzt oder in Frage gestellt wird, und des internationalen Völkerrechts einzusetzen und zu dieser Frage Position zu beziehen.

Seelsorge für Asylsuchende

Die Sommer-Abgeordnetenversammlung 2014 hatte den Grundsatzentscheid gefällt, die solidarische Teilfinanzierung der Seelsorgedienste für Asylsuchende in den Bundeszentren für die Jahre 2015-2018 fortzuführen und den Kreis der empfangenden Mitgliedkirchen zu erweitern. Gestern haben die Abgeordneten einer Erhöhung des Beitrages auf CHF 350‘000 für 2015 zugestimmt. Begründet wurde dies mit der aktuell hohen Auslastung der Empfangs- und Verfahrenszentren, den Notunterkünften und temporären Bundeszentren. Dies führt zu einer erheblichen Mehrbelastung der Kirchen und ihren Seelsorgediensten.

Wahlen zum Präsidium und Vize-Präsidium der AV

Jean-Marc Schmid der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn BEJUSO wurde zum Präsidenten der Abgeordnetenversammlung 2015 und 2016 gewählt. Schmid war seit 2011 Vizepräsident der AV des Kirchenbundes. Weiter ist er Mitglied des Büros der Synode BEJUSO. „Allzu oft wird die Kirche auf die Gemeindeebene beschränkt. Diese Ebene reicht nicht aus. Deshalb freue ich mich, mich auf einer breiteren Ebene zu engagieren“, so Schmid, der ausserdem Gemeindepfarrer in Court ist. Als Vizepräsidentinnen wurden gewählt: Claudia Haslebacher (BE), Pfarrerin der Evangelisch-Methodistischen Kirche sowie Annelies Hegnauer (ZH), Kommunikationsfachfrau des Hilfswerks der Evangelischen Kirchen Schweiz HEKS.

Finanzen

Die AV hat den Voranschlag 2015 mit den Mitgliederbeiträgen der Kirchen des Kirchenbundes genehmigt. Der Rat erhielt ausserdem den Auftrag, Alternativen zur aktuellen Berechnung der Mitgliederbeiträge zu prüfen.