Die Reformierten Europas treffen sich in Kappel

Auf Einladung der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich und des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds SEK wird vom 3. bis 5. März 2016 in Kappel am Albis (ZH) das 6. Treffen des Europäischen Verbunds der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK Europa) durchgeführt. Abgeordnete aus 42 Mitgliedkirchen der WGRK Europa werden sich mit der Frage des Beitritts zur Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre beschäftigen. Diese wurde 1999 vom Lutherischen Weltbund und der römisch-katholischen Kirche angenommen.
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Die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre hat eine der wichtigsten, seit dem 16. Jahrhundert existierenden theologischen Auseinandersetzungen zwischen der katholischen und der lutherischen Kirche in einem Punkt - namentlich der Frage, wie der Mensch von Sünde befreit werden kann - beendet. Anlässlich der ab 2017 in der Schweiz und in Europa stattfindenden Reformationsfeierlichkeiten wird in Erwägung gezogen, dass auch die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK) dieser Erklärung beitritt. Die theologische Positionierung der Reformierten zu dieser Frage ist zwar nah zu derjenigen der Lutheraner. „Es bestehen jedoch Unterschiede“, so Gottfried Locher, Präsident des Kirchenbundes und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa GEKE. Er erhofft sich eine konstruktive Diskussion in der traditionsreichen Umgebung des Klosters Kappel.

Raum für Austausch
Michel Müller, Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich, wird die Teilnehmenden im Namen der Organisatoren im Ursprungsland der Reformation reformierter Prägung willkommen heissen. Die Vertreterinnen und Vertreter der reformierten Kirchen Europas werden diese Zusammenkunft nutzen, um sich über aktuelle Themen auszutauschen. Dazu gehört insbesondere das Thema der Migration in Europa. Diese Treffen dienen darüber hinaus dem Erfahrungsaustausch und dem Austausch über bewährte Praktiken.

Baum als Symbol
Seit dem Beginn der Luther-Dekade 2008 bis zum Jubiläumsjahr der 500 Jahre Reformation 2017 werden in Wittenberg, der Heimatstadt des Reformators, 500 Bäume gepflanzt. Die Evangelisch-re-formierte Kirche des Kantons Zürich hat die Patenschaft für einen dieser Bäume übernommen und kommt heute der Einladung nach, auch einen «Zwillings»-Baum in ihrer Heimat zu pflanzen. Der Lutherbaum für Zürich soll anlässlich einer Feier in Anwesenheit der Ratsmitglieder der WGRK Europa im Kloster Kappel gepflanzt werden. Dieser Baum steht für die tiefe Verwurzelung und die Lebhaftigkeit der Reformation auch über nationale Grenzen hinaus.

WGRK
Der Weltgemeinschaft reformierter Kirchen (WGRK, World Communion of Reformed Churches WCRC) sind 225 Kirchen in verschiedenen geographischen Regionen, darunter auch Europa, zugeordnet. Die Regionen haben jeweils einen Regionalrat. Alle Mitgliedkirchen haben ihren Ursprung in der Reformationsbewegung des 16. Jahrhunderts, insbesondere in der Lehre des Reformators Johannes Calvin. Der Kirchenbund ist Mitglied der WGRK Europa. Auf internationaler Ebene vertieft die WGRK die Gemeinschaft unter ihren Mitgliedskirchen und koordiniert die Initiativen in den Bereichen Mission, theologische Arbeit und Fortbildung, kirchliche Erneuerung, Gerechtigkeit und ökumenischer Dialog.