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Ideenbörse

Die folgenden Methodenideen und Werkzeuge sollen die Lust wecken an der Arbeit am Bekenntnis in der Erwachsenenbildung. Wer ausgearbeitete Ablaufskizzen sucht, findet zwei Vorschläge unter Veranstaltungen planen.

Zum Einstieg

  1. Pressephoto: Sie suchen im Internet bekannte historische Photos von Prominenten in einer Situation des Bekennens, z.B. Kennedy 1963 in Berlin oder Brandt 1970 in Warschau. Zum eingeblendeten Photo fragen Sie Ihre Gruppe, was da bekannt wird und wieso die Aussage noch immer wirkt. Ich. Hier. Jetzt, Karl Barths Formel des Bekennens, kann so zur Sprache kommen.

Zu gesellschaftlichen Dimensionen des Bekennens

  1. Staatsbekenntnis: Ein Referat führt ein ins Bekenntnis Dominus providebit (Gn 22,8), das seit 1888 auf der Fünffrankenmünze steht. Diverse theologisch-philosophische Vorbehalte aus Einleitungsstücken von Verfassungen werden eingeblendet. Man diskutiert, was für oder gegen das staatspolitische Bekenntnis spricht, dass staatliche Macht nicht die oberste Macht sei.
  2. Leitbild: Drei Leitbilder aus dem nächsten Umfeld liegen vor (Firma, Partei, Kirchgemeinde, Verein oder dergleichen). Alle kennen die entsprechende Organisation. Man diskutiert die herausgestrichenen Werte und das Verhältnis von Vorstellung und Wirklichkeit. Anschliessend einigt man sich auf zehn Werte, die das Dorf oder Quartier in der kommenden Dekade braucht.
  3. Gipfeltreffen: Das Pfarramt lädt ihm bekannte Vertretungen anderer Konfessionen und Denominationen ein, darunter auch vorübergehende Gäste der Schweiz. Alle erzählen, welche Rolle das Bekennen und einzelne Bekenntnistexte in ihrem Kontext spielen.

Zur Arbeit mit Texten aus dem Werkbuch

  1. Perlenkette: Alle Tn haben Zugang zu den christlichen Texten (RB 1-22). Allein oder zu zweit sind sie eingeladen, einzelne Sätze zu nominieren, die sie für zeitlos und inspirierend erachten, vielleicht unter Nutzung des Abschnitts Inspiration der jeweiligen Auslegung. So entsteht eine Liste der gültigen Traditionsaussagen.
  2. Zeitanalyse: Die Gruppe liest abschnittsweise das Brief Statement of Faith (RB 19). Einzelne Tn haben Spezialaufgaben. Sie achten auf Formulierungen, die Anliegen der Bereiche Gender, Ökologie, Rassengleichheit, Jüdisch-christlicher Dialog, politische Verantwortung berühren. Anschliessend stellt man eine Agenda unserer eigenen Gegenwartsthemen her, die in ein reformiertes Bekenntnis der Schweiz gehören.
  3. Abgrenzung: Die Lt referiert über die Bekennende Kirche. Zeitdokumente werden über Laptop und Beamer angeschaut und angehört. Gemeinsam analysiert die Gruppe die Aussagen der Erklärung von Barmen (RB 15). Nachdem Verständnis für den Fall des Bekennens durch Abgrenzung entstanden ist, werden Fälle diskutiert, bei denen heute Abgrenzung erforderlich werden könnte.
  4. Schuld: Deutlich nimmt das Bekenntnis der SES-Bewegung auch das Schuldbekenntnis auf (RB 18). Der sorgfältig konstruierte Text wird liturgisch mit verteilten Rollen gelesen. Ort und Sinn der Schuldbekenntnisse werden diskutiert. Der Abend mündet in die Frage, welche Schuld die gegenwärtig lebenden Generationen zu bekennen haben. Es entsteht ein liturgisch brauchbarer eigener Text.

Zur Arbeit an anderen Texten

  1. Irrweg: Der Lt liest den Abschnitt zum Heidelberger Katechismus, den Gottfried Keller in seinem Roman Der grüne Heinrich als Beispiel des Missbrauchs von Bekenntnissen niedergeschrieben hat (vgl. Literarische Bekenntnisse). Die Tn diskutieren die Aussagen und legen fest, was mit einem Bekenntnis auf keinen Fall passieren darf.
  2. Schreibwerkstatt: Sie nehmen einen modernen Text der Literatur, der einen bekennenden Inhalt hat und dessen Form sich eignet, ihn mit eigenen Inhalten zu füllen, z. B. das Gedicht Möglichkeiten von Wislawa Szymborska (Die Gedichte, Suhrkamp 1997) oder das Manifest Dann gibt es nur eins! von Wolfgang Borchert (1947; das Gesicht ist im Internet leicht zu finden). Zunächst werden die Vorlagen diskutiert, nach einer stillen Zeit individuellen Schreibens die neuen Zeilen der Tn.
  3. Manifest: Aus berühmten Manifesten berühmter Einzelpersonen Büchner, Thoreau, Zola, Wilde etc.; die Texte sind abgedruckt im Dossier „bekennend oder verkannt“ der Abteilung Bildung und Gesellschaft der Zürcher Landeskirche) wird eines ausgewählt. Die Tn haben es zu Hause gelesen und diskutieren die historische Nachhaltigkeit des Texts. Danach fragt sich die Gruppe, wozu sie gerade jetzt am liebsten ein Manifest schreiben und was sie damit bekennen möchte.
  4. Situation: Die Gruppe bespricht die Bekenntnisse des Jona (Jona 1,9) und des römischen Hauptmanns unter dem Kreuz (Mt 27,54), dazu die beiden des Petrus (Mt 16,16; 26,72), unter Beachtung der erzählerisch geschilderten Situation. Das Verhältnis von Situation, Publikum, Aussage und Glaubwürdigkeit wird diskutiert.

Non-verbale Zugänge

  1. Credovertonung: Sie spielen aus mehreren Epochen der Kirchenmusik (vgl. Unterstützung) Vertonungen des Apostolicums bzw. Nicaenums ein (RB 3 resp. RB 4). Im Gespräch stellt die Gruppe eine Hitliste her. Deren Kriterium ist die Nähe von musikalischer Stimmung und textlicher Aussage.
  2. Chanson: Alle Tn sind eingeladen, aus ihrer privaten Sammlung von Liedern, Schall-platten oder CDs solche Texte mitzubringen, die sie in ihrer eigenen Lebenszeit mal als bekennend empfunden haben. Sie werden eingespielt, interpretiert, diskutiert und mit dem Kriterium Nachhaltigkeit in eine Hitliste gestellt.
  3. Unplugged: Kirchenchor und Erwachsenenbildung treffen sich. Der Chor singt, was er zum Thema Bekennen im Repertoire hat. Aus dem Gesungenen ergibt sich ein Gespräch zum Sinn des Bekennens. Gemeinsam singt man Bekenntnislieder des Gesangbuchs (RG 269-282).

Exkursionen

  1. Wiederentdeckung: Die Erwachsenenbildungsgruppe macht einen Rundgang durchs Dorf oder Quartier. Ziele sind Orte, an denen das Christentum bekennende Spuren hinterlassen hat (Inschriften, Flurnamen, Denkmäler, Friedhöfe, Kirchen etc.). Daraus entwickelt sich der christliche Rundweg, der auch Neuzuzüger mit der Tradition des Ortes vertraut macht.
  2. Glockengeläut: Die Symbolik der Religionen ist umstritten, egal ob die der eigenen oder die der anderen. Der dreiteilige Kurs besteht aus einer Einführung in Herkunft und Wesen der Glocke, einem Besuch der einzigen Schweizer Glockengiesserei in Aarau und einer Begehung des Kirchturms und der Glockenstube. Ziel ist, ein Bewusstsein für die Wirkung nonverbalen Bekennens zu schaffen.
  3. Besuch: Die Kirchgemeinde organisiert einen Tagesausflug nach Courfaivre JU und lässt sich in der katholischen Pfarrkirche von einer kundigen Person die Kirchenfenster zeigen. Sie stammen vom berühmten Franzosen Fernand Léger (1954) und zeigen die Aussagen des Apostolicums (RB 3). Die Bilder finden sich hier.

Zum eigenen Bekennen

  1. Erzählabend: Die Lt erzählt eine persönlich erlebte Begebenheit, in der sich eine Einzelperson überraschend zu etwas bekannt und dafür auch etwas riskiert hat. Die Tn sind eingeladen, achtsam ähnliche Erlebnisse zu erzählen. Die Geschichten werden ausgelegt, aber nicht bewertet. Aus dem Erzählten entsteht eine Sammlung bekennender Geschichten. Sie kann Teil einer Predigtreihe werden.
  2. Extraeinladung: Das Pfarramt nimmt mit den zwölf letzten Taufgesellschaften Kontakt auf. Eltern und Paten haben im Taufgottesdienst öffentlich gelobt, den Täufling christlich zu erziehen. Man diskutiert, wozu sie sich dabei bekennen wollen. Es entsteht ein Hauskreis, der während der Vor- und Grundschulphase im Sinn der Intervision am Ball bleibt.
  3. Katechismus: Die EB-Gruppe nimmt sich einen aktuellen reformierten Katechismus vor (vgl. Katechismus), um ihn während einer Kursreihe durchzudiskutieren. Zum Höhepunkt der Reihe gehört die gemeinsame Formulierung eines Credo.

Matthias Krieg

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