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RB 18: Ein Glaubensbekenntnis

In gegenwärtigem Deutsch

  1. Wir glauben an Gott, den Schöpfer.
  2. Ihm allein verdanken wir alles Leben.
  3. Ausser ihm ist niemand,
  4. der Leben schaffen und zerstörtes Leben neu ins Dasein rufen kann.
     
  5. Wir bekennen unsere Schuld.
  6. Uns selbst haben wir zum Mass der Schöpfung gemacht
  7. und Gottes Liebe zu allem, was er schuf, vergessen.
  8. Das Leben der anderen Kreatur haben wir missachtet,
  9. Lebensräume zerstört und letzte Grenzen überschritten.
  10. Wir sind dabei, die ganze Erde zu vernichten.
     
  11. Gott aber, der Schöpfer und Erhalter dieser Erde,
  12. zieht seine Hand nicht zurück.
  13. Gegen alle Mächte, die zerstören,
  14. bleibt er der Herr über alle Kreatur.
     
  15. Dafür danken wir.
     
  16. Wir glauben an Jesus Christus, Gottes Sohn.
  17. In ihm hat Gott sich auf unsere Seite gestellt.
  18. In seinem Tod hat er sich zur Ohnmacht bekannt,
  19. durch seine Auferweckung die Macht der Welt überwunden.
     
  20. Wir bekennen unsere Schuld.
  21. Wir setzen auf die Macht der Welt
  22. und wenden uns ab, wo Unrecht geschieht.
  23. Wir zeigen auf Schuldige
  24. und geniessen die Früchte ihrer Taten.
  25. Wir waschen unsere Hände in Unschuld
  26. und überlassen anderen die Last, sich zu entscheiden.
  27. Auch wir haben Christus gekreuzigt.
     
  28. Er aber hat unsere Schuld auf sich genommen und die der ganzen Welt.
  29. Er bekennt sich zu denen, die Unrecht und Gewalt leiden.
  30. Er schafft Recht denen, die Tag und Nacht zu ihm schreien.
  31. Durch seine Auferstehung von den Toten
  32. macht er uns frei von unserer Angst.
     
  33. Darauf verlassen wir uns.
     
  34. Wir glauben an den Heiligen Geist.
  35. In ihm schafft Gott neues Leben,
  36. errichtet sein Reich unter uns
  37. und wird es vollenden am Ende dieser Zeit,
  38. wenn er richten wird über uns und alle Menschen
  39. und an den Tag bringt, was jetzt verborgen ist.
  40. In ihm sammelt Gott seine Kirche in der Gemeinschaft
  41. des Glaubens und der Nachfolge.
     
  42. Wir bekennen unsere Schuld.
  43. Statt auf das kommende Reich zu vertrauen,
  44. vertrauen wir auf diese Welt, die vergeht.
  45. Statt uns brauchen zu lassen als Werkzeuge der Hoffnung,
  46. fürchten wir uns vor der Zukunft, die wir selber machen.
  47. Statt uns alle um den einen Tisch zu versammeln,
  48. haben wir uns eingerichtet in der Zerrissenheit.
  49. Wir bauen mit an den Mauern zwischen Ost und West,
  50. zwischen Süd und Nord,
  51. zwischen arm und reich.
     
  52. Der Heilige Geist aber
  53. ist grösser als unser Herz und unser rechnender Verstand.
  54. Er lässt uns Gottes Treue spüren, wenn wir uns selbst nicht mehr trauen.
  55. Er gibt uns Zukunft, wo wir rückwärts schauen.
  56. Er schenkt ewiges Leben, wo wir uns gegenseitig Gräber graben.
  57. In ihm erneuert Gott sein Volk bis an den Tag,
  58. da sein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit anbricht.
     
  59. Davon leben wir.
  60. Amen.