Zeugen der Menschlichkeit

P.  Dr. Abel Manoukian

P. Dr. Abel Manoukian

Zeugen der Menschlichkeit

Der humanitäre Einsatz der Schweiz während des Völkermordes an den Armeniern im Osmanischen Reich 1894-1923. Zum 100. Gedenkjahr des Völkermordes.

Das Buch zum 100. Gedenkjahr des Völkermordes will die beispiellose Solidarität der Schweizer mit dem Volk der Armenier in dessen schwerster Zeit würdigen. Nach einer umfassenden und übersichtlichen Darstellung der armenischen Geschichte sowie der unmittelbaren Vorgeschichte der Massaker und des Völkermordes an den Armeniern erklärt der Autor, wie und warum ausgerechnet die Schweizer dazu kamen, ihren Brüdern und Schwestern im Glauben in dieser dunklen Stunde der Geschichte der Menschheit beizustehen. Dabei wird der Bogen von der von den evangelischen Amerikanern begonnenen Missionierung des Orients bis zur Übernahme und Fortsetzung ihrer Arbeit durch Schweizer Missionare und insbesondere deren Liebeswerk an den Armeniern gespannt.

Im Gegensatz zur erbarmungslosen Vernichtungspolitik des Osmanischen Reiches stehen die leuchtenden Beispiele selbstloser Helfer aus der Schweiz, die unter widrigsten Umständen als Ärzte, Krankenschwestern, Lehrer, Erzieher etc. dem armenischen Volk eindrucksvoll Hilfe leisteten. Unterstützt wurden sie dabei durch die unablässigen Geldspenden vieler, auch wenig vermögender Leute in ihrer Heimat. Ermöglicht und getragen wurde diese Welle der Hilfsbereitschaft durch eine bis dahin und seitdem kaum wieder gesehene gewaltige Solidarbewegung in der Schweizer Zivilgesellschaft.

Als zwei Beispiele von vielen seien hier erwähnt: Schwester Beatrice Rohner (1876–1947) aus Basel, die nach all dem erlebten Grauen als Lehrerin und Waisenhausmutter einen seelischen Zusammenbruch erlitt, und Jakob Künzler (1871–1949) aus Walzenhausen (AR), gelernter Schreiner, der zunächst als Krankenpfleger, bald jedoch als genialer praktischer Arzt und einfallsreicher Organisator, stets unermüdlich und aus tiefstem Glauben heraus ab 1899 in der Türkei und ab 1922 im Libanon wirkte; der schweizerische Vizekonsul in Jaffa, Carl Lutz, der ebenfalls aus Walzenhausen stammte, lernte Künzler kennen und nahm ihn sich als Vorbild für seine heroische Judenrettung in Budapest im Jahr 1944.

Der Autor des neuen Buches ist 1959 in Beirut (Libanon) geboren, er ist Priester der armenisch-apostolischen Kirche und hat 1993 in Wien doktoriert, er ist verheiratet und hat zwei nun erwachsene Kinder. Nach vielen andern Einsätzen ist er seit 1995 in der Schweiz tätig. Vom Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund wurde er beauftragt, im Gedenken an die Armenier-Massaker vor 100 Jahren eine Schrift zu verfassen mit Schwergewicht auf der damals umfassenden Hilfe aus der Schweiz. Mit einem Besuch des armenischen Katholikos Aram I. von Kilikien (verantwortlich für die Armenier im Nahen Osten und weitgehend in der Diaspora) Ende September 2015 in der Schweiz sollten auch die Schweizer Helfer von damals geehrt werden. Was Dr. Manoukian an reichem Material (v. a. auch aus armenischen Quellen) zutage förderte, hat er so verarbeitet und illustriert, dass die Lektüre spannend und bereichernd, aber auch erschütternd wird (Iso Baumer, S. 525, SKZ 42-43/2015).

Dr. Manoukian schenkt den Schweizerischen „Zeugen der Menschlichkeit“ erneut eine lebendige Stimme, ohne an Wissenschaftlichkeit zu verlieren, was die zahlreichen Fussnoten und Verweise belegen. Die überaus umfangreiche Recherche, welche auch erstmals bisher ungesichtetes Schweizer Archivmaterial aufgreift, bildet das Fundament dieses umfassenden Werkes und stellt eine bedeutende Bereicherung zu diesem Thema in deutscher Sprache dar. Herausgeber: Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund SEK Bern 2015, 534 Seiten ISBN 978-3-7229-0012-4

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